Chronik des Schützenvereins von 1953 bis 2004

Schützenverein Bissingen/Enz e.V.
Chronik 1953 bis 2004
zum 50jährigen Jubiläum nach der
Neugründung

 

Chronik 2004


Der Schützenverein Bissingen feiert sein Jubiläum. Es ist das 50ste Schützenjahr seit der Wiedergründung im Jahr 1953.

Anlässlich des 25jährigen Jubiläums trat die Frage nach einer Vergangenheit auf, was war in den Vorkriegsjahren ?
Die damaligen Recherchen ergaben, dass genau 25 Jahre vor der Wiedergründung der Beginn des Schützenwesens in Bissingen war. In der Festschrift zum damaligen Jubiläum wurde die Vergangenheit ausführlich dokumentiert.

Zum 50sten Nachkriegsjubiläum wenden wir uns der jüngeren Geschichte des Vereines zu.

Acht Jahre nach Kriegsende, am 3.Dezember 1953, fanden sich 25 Vereinsmitglieder und andere Bürger Bissingens zusammen, um die Wiederaufnahme des Schießsports zu beschließen. Erster Vorsitzende wurde wieder Gustav Eppler sen. Der Schießsport wurde mit KK- und Luftgewehren betrieben. Das Luftgewehrschießen gewann überhaupt erst nach dem Krieg an Bedeutung. Vor dem Krieg schoss man überwiegend mit Groß- und Kleinkaliber.

Vereinslokal war das Waldhorn, etwa wo heute der Einkaufsmarkt in der Kreuzstraße ist. Bereits 1954 wurde beschlossen, die Schießbahn im Bruchwald wieder auszubauen. Alsbald wurde auch begonnen, ein neues Schützenhaus zu errichten. Die Pläne dazu waren fertig - man saß in gemütlicher Runde beim "Kohler" und diskutierte auch darüber. Wo heute der Eingang zum Schützenhaus ist, stand eine dicke Forche im Wege. Es muss ein guter Geist gewesen sein, der die Schützen beflügelt hat - es war bereits 22.00 Uhr - eine Wette abzuschließen, nach der die Forche bis Mitternacht selbigen Tages gefällt und weggeräumt sein musste.
Die Wette wurde gewonnen, dank Helma Girrbach´s erleuchtender Mitwirkung, die die Szene mit Autoscheinwerfern ins rechte Licht setzte.

Der Neubau wurde in Eigenleistung erstellt. Um so schwerer wurde der Verlust des Schützenhauses durch Blitzschlag am 27.06.1960 empfunden. Dennoch, Resignation kam unter den inzwischen 69 Mitgliedern nicht auf. Mit viel Idealismus ging man ans Werk, das Schützenhaus wieder aufzubauen. Bereits zwei Monate später war der Rohbau errichtet. Der Ausbau nahm etwas längere Zeit in Anspruch - Erweiterungen waren notwendig.

In feierlicher Atmosphäre wurde 1964 in Anwesenheit des Bürgermeisters Silcher und seines Gemeinderates die Einweihung gefeiert.

Mit der - ebenfalls in Eigenarbeit erstellten - Pistolenbahn konnte schließlich 1989 das sportliche Schießen mit Faustfeuerwaffen sprunghaft ausgedehnt werden. Schlagzeilen wie: "In der Gebrauchspistole stellt der Schützenverein Bissingen eine Domäne für sich dar", oder " Gegen Bissinger Pistoleros ist kein Kraut gewachsen" spiegeln in der hiesigen Presse die Leistungen der Bissinger Schützen wider. Stellvertretend für alle seien Paul Bauer und Lothar Meyle als erfolgreichste Bissinger Schützen genannt. Nicht weniger als 3 Württembergische Meistertitel hat Paul Bauer zu verzeichnen. Die erfolgreichste Schützin ist Rosemarie Barsch, die ebenfalls bis zur Landesebene Erfolge verzeichnen konnte.

Den 1968 gestifteten Wanderpokal des Kreises Ludwigsburg konnte die Bissinger Pistolenmannschaft in sechsmaliger ununterbrochener Folge gewinnen.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass auch in den anderen Waffen beachtliche Erfolge auf Kreis- und Bezirksebene erzielt wurden.

Seit 1965 richtet der Schützenverein alljährlich ein Meisterschaftsschießen für alle Bietigheim-Bissinger Vereine aus, an dem die aktiven Schützen nicht teilnehmen.
Nach dem Zusammenschluß von Bietigheim-Bissingen haben sich auch die Schützengilde Bietigheim und der Schützenverein Bissingen Gemeinsames einfallen lassen. Bereits 1967 haben sie begonnen, zusammen einen Schützenkönig und Stadtmeister im Gewehr- und Pistolenschießen zu ermitteln. Die Ehrung der Sieger erfolgte auf dem großen Schützenball im festlichen Saal des Kronenzentrums.

Nachfolger des 1. Vorsitzenden der Vor- und Nachkriegszeit waren Gustav Geiger, Roland Scheuffele und Eberhard Girrbach. Unter seiner Regie wurde seit 1975 das Schützenhaus in selbsloser und uneigennütziger Arbeit in den derzeitigen, hervorragenden Zustand erweitert und renoviert. Die KK- und Pistolenbahnen wurden verlegt und erweitert. Das ehemals sehr kleine Schützenhaus mauserte sich im Laufe der Jahre zu einer netten Gastwirtschaft. Das größte Bauvorhaben war schließlich die vollständige unterkellerte Schießhalle für Luftgewehr mit acht Schießständen und acht weitere im Keller. Der Pistolenstand wurde gleichzeitig auf 10 S tände mit Duellanlage ausgebaut. Im Zuge dieser Erweiterungen wurde die ursprüngliche Luftgewehrbahn aus dem Dach des Schützenhauses und die darunterliegenden Sanitäranlagen geschlossen. Dies gab Platz für den weiteren Ausbau der Küche, der schließlich zu einem vollwertigen Gasthaus, der Gaststätte Schützenhaus, führte.

Bereits von seiner schweren Krankheit gezeichnet, konnte der langjährige Oberschützenmeister und Mäzen des Schützenvereins 1983 die Einweihung "seiner" Schießhalle erleben. Eberhard Girrbach starb am 16.01.1987. Der Schützenverein Bissingen verdankt ihm sein heutiges Schützenhaus.

Trotz der großen Baumaßnahmen und des unermüdlichen Einsatzes einer großen Gruppe von Schützen waren diese Jahre von vielen sportlichen Erfolgen und einem regen Gesellschaftsleben gekrönt. Zahlreiche Ausflüge, an den Schliersee und an die Mosel, um nur einige zu nennen, trugen auch zur Pflege der Kameradschaft bei.

Nach dem Tod von Eberhard Girrbach übernahm Lothar Meyle 1987 das Amt des Oberschützenmeisters. Er bekleidet das Amt bis heute.

In seiner Amtszeit entwickelte sich eine neue Sportart im Schützenverein Bissingen, das Bogenschießen. Hierbei ist besonders Franz Payer zu nennen, der für sich den Bogensport entdeckte. Ihm gelang es, binnen ein paar Jahre die deutsche Meisterschaft der Seniorenklasse zu erringen. Dies war ein enormer Impuls für das Bogenschießen. Schließlich rekrutiert sich auch der Nachwuchs des Schützenvereines aus jungen Bogenschützen.

Diesem Trent Rechnung zu tragen, erforderte des Ausbau der Schießhalle im Keller zu einer auch im Winter benutzbaren Bogenhalle. Dazu wurde der Keller teilweise nach hinten verlängert. Bereits beim Bau der Schießhalle war diese Erweiterungsmöglichkeit baulich vorgeplant worden. 2002 konnte die Bogenhalle eingeweiht werden.

In der Nähe des Schützenhauses wurde eine Wiesenfläche gepachtet, die den Bogenschützen für ihr Sommertraining zur Verfügung steht. Mit einem Fackelschießen, das besonders die Jugend erfreut, wird die Sommersaison alljährlich im Rahmen eines kleinen Kameradschaftsabends abgeschlossen.

Rechtzeitig zum Jubiläum haben sich die Jungschützen der Bogensportdisziplin mit Erfolgen bei der Kreismeisterschaften hervorgetan. In der Schülerklasse A wurde Florian Dombrowski Kreismeister mit 542 Ringen. Zweiter wurde Tobis Schnitz (509), den dritten Rang belegte Tim Neumann(463). Das Trio errang damit auch den Kreismeistertitel für die Mannschaft.

So erfreulich sich das Bogenschießen entwickelt hat, so weniger erfreulich ging das Gewehrschießen voran.
Auch negatives gehört zu berichten, wenn die Chronik des Vereins erzählt wird. Die Gewehrschützen wurden immer älter und früher erfolgreiche Mannschaften zerfielen. Eine Gruppe von Jungschützen verließ den Verein und riss ein große Lücke in die Nachwuchskette. Jüngere aktive Schützen schlossen sich den Bietigheimer Gewehrschützen an. Eine Besserung im Gewehrschießen zeichnet sich nicht ab.

So sind immer noch Wünsche offen. Die sich ständig verschärfenden Anforderungen an Schießstände verlangen Arbeitsleistungen der Mitglieder und immer neue Investitionen. Es gibt noch viel zu tun.

Ein Rückblick in die Vergangenheit schließt ein, all denen zu danken, die in selbstlosem Einsatz dazu beigetragen haben, den Verein zu dem zu machen, was er heute ist. Sollen wir Namen nennen? Die Liste wäre sehr lang und dennoch kann sie nur unvollständig sein. Möge der Dank an alle im festen Zusammenhalt und Fortbestehen des Vereines über viele Generationen bestehen.

Traditionelle Veranstaltungen
Neben den rein sportlichen Wettbewerben werden traditionelle Wettbewerbe ausgetragen. Alljährlich zum Jahresende wird der Vereinsschützenkönig ermittelt. Mit einem Kleinkaliber Gewehr, das jeder benutzen muss, wird auf die 50 m-Distanz liegend um den besten Schuß gerungen.

Zum Gedächtnis an Eberhard Girrbach wurde von Robert Wagner eine Ehrenscheibe gestiftet. Mit einem einzigen Schuß im Rahmen des Königsschießens kann jeder sein Glück versuchen, um seinen Namen auf die Plakette der Scheibe gravieren zu lassen.
Im Rahmen einer "Familienfeier", Anfang Dezember, werden die Schützen der sportlichen Wettkämpfe des Jahres geehrt. Danach wird der Sieger des Gedächtnisschießens ausgerufen und das Königshaus proklamiert. In geselliger Runde verläuft der weitere Abend.

Das traditionelle Neujahresschießen erfolgt im Rahmen des Frühschoppens. Mit jährlich unterschiedlichen Waffen wird um den besten Schuß gerungen. Der Sieger ist Gewinner einer Neujahresscheibe, die fortan das Schützenhaus ziert. Am Mittag kommen die Damen der Schützen um in geselliger Runde den Neujahrestag zu erleben.